Das Massewachstum von Futtergräsern wird durch ein komplexes Zusammenspiel aus Umweltfaktoren, Standortbedingungen und der Bewirtschaftung bestimmt.

Wesentliche Einflussfaktoren:

  • Temperatur: Das Wachstum setzt meist ab einer Bodentemperatur von ca. 5–10 °C ein. Der optimale Bereich für vitales Wachstum liegt zwischen 10 °C und 25 °C; bei über 30 °C verlangsamt sich der Prozess deutlich, da zum Schutz der Pflanze vor zu viel Wasserverlust die Stomata (Spaltöffnungen an den Blattunterseiten) schließen, die Transpiration reduziert wird und damit auch der Nährstofftransport eingeschränkt wird bzw. bei anhaltender Hitze zum Erliegen kommt.
  • Wasser- und Nährstoffversorgung: Bei den Nährstoffen die mit dem Wasserstrom in der Pflanze transportiert werden ist vor allem Stickstoff der Motor für das Massenwachstum, während Kalium die Zellwandbildung und Standfestigkeit stärkt. Grünland vertranspiriert ca. 700 Liter Wasser für die Produktion von 1 kg Trockenmasse!
  • Licht und Photosynthese: Eine ausreichende Wasserverfügbarkeit ist essenziell für die Photosynthese. Sonnenlicht liefert dazu die Energie für die Zuckerbildung. Je mehr gesunde Blattfläche vorhanden ist, desto schneller kann die Pflanze Masse aufbauen. Als Abfallprodukt fällt Sauerstoff (O2) an.
  • Entwicklungsstadium: Im Frühjahr (generative Phase) bilden Gräser Blühtriebe mit stabilisierenden Strukturen wie Zellulose und Lignin. Diese sind massenreich, aber weniger gut verdaulich als die reinen Blatttriebe im Sommer/Herbst (vegetative Phase). Deshalb ist der Blühbeginn der Leitgräser in einer Wiese der maßgebliche Faktor für die Bestimmung des optimalen Schnittzeitpunktes.
  • Bewirtschaftung:
    • Schnitthöhe: Ein höherer Schnitt (8–10 cm) lässt mehr Restblattfläche zurück, was ein schnelleres Nachwachsen ermöglicht, da weniger Reservestoffe aus den Wurzeln mobilisiert werden müssen.
    • Schnittfrequenz: Häufiges Mähen entzieht der Pflanze kontinuierlich Nährstoffe. Um Gräser mit hoher Photosyntheserate bei häufigem Schnitt besonders konkurrenzstark zu halten, ist die ausreichende Nährstoffzufuhr ausschlaggebend (Stickstoff!!). Bei zu wenig Nachlieferung gehen die Gräser im Bestand zurück und der Platz wird von weniger anspruchsvollen Arten (minderwertige Gräser, Kräuter, Giftpflanzen) eingenommen.
  • Pflanzenbestand: Die Arten- und Sortenwahl sowie der Anteil an Leguminosen (z. B. Klee) beeinflussen den Gesamtertrag.

Wassermangel beeinflusst den Übergang von vegetativer zu generativer Wachstumsphase massiv und führt in der Regel zu einer beschleunigten generativen Phase (Notblüte/Notreife!). Somit ist das Massewachstum weitgehendst abgeschlossen!

Wenn Gräser unter starken Trockenstress geraten, reagieren sie mit einer physiologischen Überlebensstrategie:

  • Beschleunigtes Schossen: Die Pflanze bricht das vegetative Blattwachstum vorzeitig ab und versucht, so schnell wie möglich Blüten und Samen zu bilden. Ziel ist es, die Fortpflanzung zu sichern, bevor die Pflanze aufgrund des Wassermangels abstirbt.
  • Verkürzte Halme: Da für die Zellstreckung der Zellinnendruck fehlt, bleiben die schossenden Halme deutlich kürzer als unter optimalen Bedingungen.
  • Qualitätsverlust: Durch den frühen Wechsel in die generative Phase steigt der Rohfasergehalt (Verholzung) schneller an, während die Verdaulichkeit und der Energiegehalt des Futters sinken.
  • Wachstumsstopp: Bei extremer Dürre wird das Wachstum komplett eingestellt (Ruhezustand), um Reserven in den Wurzeln zu schützen.

Um im zweiten Aufwuchs etwas kompensieren zu können, empfiehlt es sich trotz eines zu erwartenden Minderertrages einen (früheren) Schnitt zu erwägen. Somit kann der Restnährstoff aus der Düngung und die Tatsache, dass viele wertvolle Futtergräser (Knaulgras, Wiesenfuchsschwanz etc.) in den Folgeschnitten nicht (oder kaum) mehr zum Ähren- oder Rispenschieben neigen genutzt werden.

Bei den Raygräsern verhält es sich diametral umgekehrt, die bei jedem Aufwuchs schneller in die generative Phase wechseln und damit auch weniger Blattmasse zum Gesamtertrag beisteuern. Außerdem stellen gerade Raygräser einen sehr hohen Anspruch an Nährstoff- und Wasserverfügbarkeit.

Von Anwendern der SatGrass App sollte der zu erwartende Massezuwachs im Auge behalten werden. Sobald sich diese Kurve abflacht bzw. in eine Horizontale übergeht, ist es ratsam das Mähwerk zu starten.

Der Blick in die Wiese und das Verständnis für die Futtergräser ist der wichtigste Faktor für eine erfolgreiche Grünlandbewirtschaftung.