Trockenheit im Grünland: Ursachen, Folgen und Anpassungsstrategien
Grünland ist die wirtschaftliche Basis in der Tierhaltung und Landwirtschaft. Speziell Trockenheit und Hitze, aber auch Extremniederschläge beeinflussen Pflanzengesundheit, Ertrag und Bodenfruchtbarkeit.
Zentrale Fakten zur Niederschlagsverteilung 2025 in Österreich:
- Gesamtbilanz: Das Jahr verlief über weite Strecken trockener als im vieljährigen Mittel (1991–2020). Besonders nördlich der Alpen, von Salzburg bis Wien, blieb die Niederschlagsmenge oft deutlich hinter den Erwartungen zurück.
- Feuchtester Monat: Der Juli 2025 bildete eine markante Ausnahme. Er war der nasseste Juli seit 13 Jahren (bzw. seit 2012). Vor allem im Westen des Landes wurden örtlich Niederschlagsrekorde verzeichnet.
Trockenphasen:
- Februar: Mit 66 % weniger Niederschlag als im Durchschnitt extrem trocken.
- Herbst: Der Oktober brachte österreichweit rund 25 % weniger Niederschlag, wobei Teile Osttirols und Kärntens sogar Defizite von bis zu 75 % aufwiesen. Auch der November war verbreitet zu trocken, besonders im Tiroler Oberland und in Oberkärnten.
- Regionale Extreme: Während es im Waldviertel, Weinviertel und Nordburgenland im Spätherbst (November) teils überdurchschnittlich feucht war (+15 % bis +85 %), litten der Süden und Teile Oberösterreichs unter erheblichem Regenmangel. Oberösterreich verzeichnete über das Jahr ein Defizit von etwa 22 %.
- Der Dezember 2025 war in Österreich extrem trockenund zählt zu den 15 niederschlagsärmsten der Messgeschichte. Aufgrund der Trockenheit herrschte verbreitet akuter Schneemangel, was erst durch einen Wetterwechsel zum Jahreswechsel hin leicht gemildert wurde. Zusätzlich zur Trockenheit war der Monat außergewöhnlich warm, insbesondere im Gebirge, wo er als zweitwärmster Dezember der Geschichte verzeichnet wurde.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass 2025 trotz eines extrem nassen Julis als ein sehr warmes und trockenes Jahr in die Klimastatistik eingeht. (Quelle: GeoSphere Austria)
Hitze, Wind und direkte Sonneneinstrahlung erhöhen die Wasserabgabe aus Boden und Pflanze. Besonders bei offenen Grasnarben erhöht sich damit die Evaporation (unproduktive Verdunstung aus dem Boden). Dagegen ist die produktive Verdunstung aus der Pflanze (Transpiration) für den Wasser und Nährstofftransport in der Pflanze essentiell. Dabei veratmet das Grünland für 1 kg TM ca. 700 l H2O. Dies entspricht in etwa der 4-fachen Menge von Mais.
Leichte, sandige oder stark verdichtete Böden speichern Wasser schlechter und trocknen schneller aus.
Auch Überweidung oder zu lange Nutzungszeiträume ohne ausreichend Reservepflanzen reduzieren die Bodenbedeckung und fördern damit die Evaporation.
Folgen für das Grünland
Wenn der Oberboden trocken ist, erreichen flach wurzelnde Arten das Bodenwasser nicht mehr und sterben teilweise ab. Dadurch werden konkurrenzstärkere Arten dominant, was zuerst Pflanzenvielfalt und damit die Futterqualität senkt. In späterer Folge geht durch den Verlust dieser wertvollen Arten auch der Ertrag signifikant zurück.
Die niedrigere Biomasse verringert die Nährstoffrückführung in den Boden, was vor allem die Symbiose mit dem so wichtigen Bodenleben beeinträchtigt. Werden Pilze und Bakterien von den Pflanzen nicht mehr mit Zucker versorgt, reduziert sich auch die Bereitstellung von Porenwasser oder Nährstoffe durch z.B. die Pilze. Auch die Knöllchenbakterien reduzieren ihre Aktivität.
Der dauerhafte Verlust von mikrobieller Bioaktivität kann infolge die Erosionsgefahr fördern bzw. die Speicherkapazität im Boden für Wasser und Nährstoffe verringern. Damit eröffnet sich eine Abwärtsspirale der Produktivität des Grünlands!
Weniger verfügbare Futterreserven, verminderte Qualität des Ernteguts (Futteruntersuchung) und damit höhere Futterkosten dienen als Indikatoren zur Beurteilung der Trockenheit.
Anpassungs- und Bewirtschaftungsstrategien
Zum Bodenschutz ist es grundsätzlich wichtig, die Grasnarbe zu erhalten.
Das gelingt am besten durch Anpassung der Nutzungsintensität. Das können reduzierte Schnitt- oder Beweidungshäufigkeit in Trockenperioden sein, aber auch ein höherer Schnitt mit scharfen Mähwerkzeugen trägt dazu bei. Eine Wiederherstellung der Vegetation durch periodische Nachsaaten erhält das Grünland ertragsstabil und widerstandsfähiger gegen Trockenphasen. Dabei muss auf den vorhandenen Pflanzenbestand, den Standort, die Nutzung (Art, Häufigkeit, Tierart etc.) bei der Auswahl der Nachsaat geachtet werden. Auch das gezielte Ergänzen einzelner Arten (z.B.: Rotklee, Knaulgras, Wiesenrispe) kann empfehlenswert sein. Bei extremer Trockenanfälligkeit sollte Beratung über individuelle Möglichkeiten der Artergänzung in Anspruch genommen werden.
Eine bedarfsorientierte Düngung fördert die Stressresistenz. Vor allem die Versorgung mit Stickstoff über die Ausbringung von Wirtschaftsdüngern (Gülleuntersuchung!) ist wirtschaftlich und effizient. Mineralische Phosphorgaben und Erhaltungskalkungen komplettieren die Bewirtschaftung.
Eine gezielte Bewässerung bei akuter Trockenheit ist im Normalfall nicht wirtschaftlich und rechnet sich nur unter bestimmten Bedingungen und Voraussetzungen, die im Vorfeld intensiv zu prüfen sind.
Fazit
Trockenheit im Grünland ist ein komplexes Problem, das ökologische und ökonomische Folgen hat. Durch eine Mischung aus präventiven Maßnahmen, gezieltem Monitoring und anpassungsfähiger Bewirtschaftung lassen sich Ertrag und Bodenresilienz auch in Niederschlagsdefiziten erhalten.
