Entstehung, Bedeutung und Rolle im Ökosystem
Tau ist ein faszinierendes meteorologisches Phänomen. Er entsteht in der Nacht, wenn die Lufttemperatur unter den Taupunkt sinkt. Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der die in der Luft vorhandene Feuchtigkeit kondensiert. Wird diese Grenze unterschritten, wandert Wasserdampf vom gasförmigen in den flüssigen Zustand und lagert sich als winzige Tropfen auf Oberflächen ab – Pflanzen, Gräser, Blätter, Autoscheiben, etc. ……. Sobald die Sonne aufgeht und die Luft erwärmt, verdunstet der Tau langsam wieder.
Klimatische Rahmenbedingungen, Einfluss der Nachtluft und die Beschaffenheit der Oberfläche bestimmen, wie stark der Tau ausgebildet ist. Flache Ebenen, große Oberflächen und kühle nächtliche Bedingungen begünstigen eine reichhaltige Taubildung. Im Gras, auf Blättern und am Boden sammelt sich Tau in feinen Tropfen. Besonders sichtbar wird Tau dort, wo der Taupunkt nahe der tatsächlichen Lufttemperatur liegt und die Nacht still und windarm verläuft. Wind würde die Kondensation stören, daher sind klare, ruhige Nächte oft die besten Bedingungen für üppigen Tau.
Die Rolle von Tau im Ökosystem ist vielschichtig. Einerseits dient er Pflanzen als Wasserquelle, vor allem in Regionen mit trockenen Frühjahr‑ oder Sommertagen. Die Tropfen erhöhen die Relativfeuchte direkt an der Blattoberfläche und können je nach Pflanze das Öffnen oder Schließen von Stomata beeinflussen, also die Regulation des Gasaustauschs an den Spaltöffnungen. Andererseits wirkt Tau als Mikrohabitat-Bildner: In vielen Ökosystemen sammeln sich an Tauoberlächen winzige Mikroorganismen, die von der Feuchtigkeit profitieren. Einige Samen reagieren sensibel auf kurzfristige Feuchte und öffnen sich, um zu keimen, sobald Bedingungen günstig sind. Das trifft besonders für oberflächlich gesäte Grünlandsamen zu. In Summe trägt Tau zur lokalen Mikroklimaanpassung und zur Vernetzung von Wasserhaushalt, Pflanzwachstum und mikrobiellem Leben bei.
Für den menschlichen Blick hat Tau eine ästhetische Seite. Gleichzeitig hat Tau praktische Auswirkungen auf Landwirtschaft und Pflanzenwachstum im Besonderen. Bereits bei geringen Mengen kann Tau die Bodenoberfläche erfrischen, was das Wurzelwachstum erleichtert, aber auch die Verdunstung in den frühen Morgenstunden verzögert. Damit ist Tau eine meist unterschätzten Niederschlagsressourcen.
Die Entstehung von Tau lässt sich physikalisch durch das Prinzip der Kondensation erklären. Luft enthält Wasserdampf, der sich bei Abkühlung in flüssiges Wasser verwandelt. Während die Luft abkühlt, nähern sich der Sättigungsgrad und der Taupunkt. Überschreitet der Wasserdampf die Sättigung der Luft, beginnen Kondensation und Tropfenbildung. Typische Größenordnung der Tautröpfchen liegt im Mikrometerbereich; dennoch sind sie sichtbar, weil sie an hohen Blattkanten oder Grashalmen hängen bleiben. Die Menge des gebildeten Taus hängt von der relativen Luftfeuchtigkeit, der Nachttemperatur, der Bodenbeschaffenheit und dem Vorhandensein von Emissionswärme ab und ist am ausgeprägtesten, wenn der Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht möglichst groß ist (>10°C).
Wiederkehrendes Tauverhalten kann Hinweise auf Mikroklima, Bodenfeuchte und lokale Hydrologie geben. Durch Langzeitbeobachtungen lässt sich erkennen, wie sich Taumuster in Folge von Klimaveränderungen verschieben – etwa durch steigende Durchschnittstemperaturen, veränderte Nachtluftströmungen oder veränderte Vegetation. Gleichzeitig spielt Tau eine bedeutende Rolle in der Wasserbilanz eines Gebietes: In Mitteleuropa entsteht pro Nacht normalerweise etwa 0,1 bis 0,2 mm Tau, was etwa 2 bis 5 % des jährlichen Gesamtniederschlags ausmacht, wobei Werte um 0,5 mm möglich und theoretische Höchstwerte bei etwa 0,8 mm liegen. Das ist besonders in den Spätsommer- und Herbstmonaten der Fall. Auch wenn Tau nur eine geringe Menge Wasser pro Flächeneinheit liefert, summiert sich dieser Beitrag über Wochen und Monate zu einer beachtlichen Menge an verfügbarer Feuchtigkeit.
Zusammengefasst ist Tau als Niederschlag mehr als ein optisches Phänomen: Es verbindet Atmosphäre, Boden und Biologie, beeinflusst das Mikroklima und liefert wertvolle Feuchtigkeit für Pflanzen und das Bodenleben.
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Autor: Gabriele Hirsch
