Auch Klee hat eine Rückzahlzeit
Futterleguminosen im Grünland haben ebenfalls eine Rückzahlzeit, und diese funktioniert physiologisch im Grunde genauso wie bei den Futtergräsern. Auch kleeartige Pflanzen müssen nach jedem Schnitt oder Verbiss zunächst Energie aufwenden, um neue Blätter zu bilden, bevor sie wieder netto Energie und Nährstoffe einspeichern können.
Allerdings unterscheidet sich die Dynamik bei Leguminosen in zwei wesentlichen Punkten von den Gräsern:
- Die Knöllchenbakterien stoppen die Arbeit: Für die Bindung von Luftstickstoff benötigen die Knöllchenbakterien (Rhizobien) an den Wurzeln massiv Kohlenhydrate (Energie) von der Pflanze. Wird die Leguminose gemäht, bricht die Photosynthese weg. Die Pflanze stellt die Versorgung der Bakterien sofort ein, und die Stickstofffixierung stoppt komplett, bis wieder genügend Blattfläche nachgewachsen ist.
- Speicherorte: Während Gräser ihre Reserven oft sehr bodennah in den Stoppel- und Triebbasen lagern, nutzen viele Leguminosen tiefere Wurzelorgane (z. B. Pfahlwurzeln) oder oberirdische Kriechtriebe (Stolonen).
Je nach Leguminosenart unterscheidet sich die Rückzahlzeit in der Praxis deutlich:
- Kurze bis mittlere Rückzahlzeit (ca. 21 bis 28 Tage)
- Weißklee (Trifolium repens): Er ist der absolute „Überlebenskünstler“ im intensiv genutzten Dauergrünland. Weißklee breitet sich über oberirdische Kriechtriebe (Stolonen) aus. Da er seine Blätter sehr bodennah ansetzt, wird bei einer normalen Mahd oder durch Weidevieh nie die komplette Pflanze rasiert. Er behält immer etwas Rest-Blattfläche und regeneriert sich extrem schnell. Seine Rückzahlzeit liegt auf dem Niveau von Deutschem Weidelgras (ca. 3 bis 4 Wochen), weshalb die beiden die perfekte Symbiose auf Intensivweiden bilden.
- Lange Rückzahlzeit (ca. 35 bis 45+ Tage)
Rotklee (Trifolium pratense): Wächst deutlich aufrechter und bildet eine Pfahlwurzel. Bei einem Schnitt wird fast die gesamte Blattmasse entfernt. Der Rotklee muss die Energie für den Neuaustrieb komplett aus der Wurzelkrone mobilisieren. Er benötigt eine deutlich längere Rückzahlzeit (mindestens 5 Wochen). Wird Rotklee zu oft oder zu früh geschnitten (z. B. bei einer intensiven 5-Schnitt-Nutzung), verhungert die Wurzel und er verschwindet nach ein bis zwei Jahren komplett aus dem Bestand.
Luzerne (Medicago sativa): Die „Königin der Futterpflanzen“ ist extrem empfindlich gegenüber zu frühen Schnitten. Sie speichert ihre Reserven tief in der Pfahlwurzel. Die Luzerne verlangt eine lange Erholungsphase und sollte idealerweise erst zu Beginn der Blüte geschnitten werden, da sie erst zu diesem Zeitpunkt ihre Wurzelreserven für den nächsten Austrieb wieder vollständig aufgefüllt hat. Ihre Rückzahlzeit beträgt 6 Wochen und mehr. Ein zu frühes Überfahren oder Abmähen im Jungstadium zerstört den Wurzelkopf.
