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Rückzahlzeit – was ist das?

von Gabriele Hirsch | Aug. 31, 2026 | LogIn Bereich

Die RÜCKZAHLZEIT und ihre Bedeutung für die Gräser im Futtergrünland.

Die Rückzahlzeit (auch englisch payback time) im Grünland bezeichnet in der Pflanzenökologie und Grünlandwirtschaft jene Zeitspanne, die eine Futterpflanze benötigt, um die für den Aufbau ihrer Blätter investierten Nährstoffe und Energie durch Photosynthese wieder vollständig auszugleichen (wiederaufzufüllen).

Wird der Pflanzenbestand im Zuge der Mahd oder Beweidung zu früh genutzt, bevor diese Rückzahlzeit überschritten ist, geraten die Pflanzen in ein Nährstoffdefizit. Die Folgen für die Grünlandbewirtschaftung sind weitreichend:

  • Bestandsabbau: Pflanzen, die ihre Rückzahlzeit nicht erreichen, schwächen ihre Wurzelreserven und verschwinden auf Dauer aus dem Grünlandbestand.
  • Lückenbildung & Unkraut: Es entstehen Lücken in der Grasnarbe, was das Einwandern unerwünschter Beikräuter oder minderwertigerer Platzräuber begünstigt.
  • Optimaler Schnittzeitpunkt: Um hochwertige Erträge zu sichern, ohne die Ausdauer der wertvollen Futtergräser zu gefährden, liegt der optimale Schnittzeitpunkt kurz vor dem Ähren- und Rispenschieben des Leitgrases.

Die Rückzahlzeit variiert je nach Wüchsigkeit, Regenerationskraft und morphologischen Eigenschaften der jeweiligen Grasart. Allgemein gilt: Sehr intensiv wachsende Spitzen-Futtergräser haben eine kurze Rückzahlzeit von etwa 3 bis 4 Wochen, während ausdauernde, aber langsamer wachsende Gräser längere Erholungsphasen benötigen.

Genaue physiologische Tageswerte werden in der Praxis selten absolut gemessen, da Faktoren wie Witterung, Düngung und Temperatur die Photosyntheseleistung beeinflussen. Man teilt die wichtigsten Futtergräser jedoch anhand ihrer Wuchs- und Erholungsgeschwindigkeit in folgende Gruppen ein:

  1. Kurze Rückzahlzeit (ca. 21 bis 28 Tage)

Diese Gräser zeichnen sich durch ein extrem rasches Jugendwachstum und eine sehr schnelle Blattneubildung nach dem Schnitt aus. Sie vertragen eine hohe Nutzungsfrequenz (4 bis 5 Schnitte pro Jahr oder intensive Beweidung).

  • Deutsches Weidelgras (Lolium perenne): Das wichtigste Dauergrünlandgras. Dank exzellenter Bestockung und rascher Einlagerung von Reservestoffen in der Stoppelbasis ist die Rückzahlzeit hier am kürzesten (oft genügen schon ca. 3 Wochen bei optimaler Witterung).
  • Welsches Weidelgras (Lolium multiflorum): Extrem wüchsiges Feldfuttergras. Es pumpt die Energie sofort in den neuen Blattaustrieb und erreicht seine ökonomische Rückzahlung nach etwa 24 bis 28 Tagen.
  1. Mittlere Rückzahlzeit (ca. 28 bis 35 Tage)

Diese Arten wachsen stetig, benötigen nach einer radikalen Mahd aber etwas mehr Zeit, um wieder ausreichend Blattfläche für eine positive Energiebilanz aufzubauen.

  • Wiesenrispe (Poa pratensis): Bildet unterirdische Ausläufer. Sie verkraftet Tritt gut, braucht aber im Frühjahr etwas länger, um nach einem tiefen Schnitt voll durchzustarten.
  • Wiesenschwingel (Festuca pratensis): Ein wertvolles Untergras, das bezüglich der Rückzahlzeit im Mittelfeld liegt. Wird es zu oft hintereinander unter ca. 28 Tagen genutzt, verhungert die Wurzelbasis und es weicht zurück.
  • Knaulgras (Dactylis glomerata): Wächst zwar nach dem Schnitt sehr schnell wieder hoch, benötigt aber aufgrund seiner horstbildenden Struktur genügend Zeit (ca. 4 Wochen), um die Reserven in der Triebbasis wieder aufzufüllen.
  1. Lange Rückzahlzeit (ca. 35 bis 42+ Tage)

Gräser dieser Gruppe vertragen meist nur eine moderate Schnittnutzung (maximal 2 bis 3 Schnitte) oder vertragen das tiefe Abfressen/Abmähen schlechter, da sie ihre Reserven langsamer mobilisieren.

  • Wiesenlieschgras / Timothe (Phleum pratense): Speichert Reservestoffe in einer zwiebelartigen Verdickung an der Erdoberfläche. Nach dem Schnitt regeneriert es deutlich langsamer als Weidelgräser. Es benötigt zwingend längere Intervalle (5 bis 6 Wochen), um stabil im Bestand zu bleiben.
  • Glatthafer (Arrhenatherum elatius): Ein typisches Obergras für maximal 2- bis 3-schnittige Wiesen. Ein zu früher zweiter Schnitt zerstört die Pflanze, da ihre Rückzahlzeit weit über einem Monat liegt.

Kontakt
Gabriele Hirsch, MSc
+43 676 3838968
gabrielehirsch@gmx.at
3354 Wolfsbach

Impressum // Datenschutz
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