Die Kalkung ist für das Futtergrünland eine entscheidende Maßnahme, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und hochwertiges Futter für Nutztiere zu produzieren. Ohne ausreichende Kalkversorgung versauern die Böden, was vor allem auch die Bestandszusammensetzung negativ verändert.

ie Bedeutung der Kalkung lässt sich in folgende Kernbereiche unterteilen:

Verbesserung der Bodenstruktur und Biologie 

  • Bodengare: Calcium-Ionen verbinden Ton- und Humusteilchen zu stabilen Bodenkrümeln, was die Durchlüftung und Tragfähigkeit des Bodens erhöht. 
  • Wasserhaushalt: Eine gute Struktur verbessert die Wasserspeicherfähigkeit und schützt vor Verschlämmung.
  • Aktivierung des Bodenlebens: Mikroorganismen und Regenwürmer sind bei neutralen pH-Werten aktiver, was den Abbau von organischem Material und die Humusbildung beschleunigt.

Nährstoffverfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit

  • Mobilisierung von Nährstoffen: Kalk macht im Boden gebundene Nährstoffe (wie Phosphor) für die Pflanzen verfügbar und verhindert die Freisetzung giftiger Aluminium-Ionen bei sehr niedrigen pH-Werten.
  • Düngereffizienz: Auf kalkversorgten Böden können andere Düngemittel besser ausgenutzt werden, was die Kosten senkt. Dabei ist die Ergänzung der Nährstoffe nach Entzug besonders wichtig, da es sonst mittel- bis langfristig zu Nährstoffunterversorgungen kommen kann.

Ein zu hoher pH-Wert (Überkalkung) im Grünland ist allerdings ebenfalls kontraproduktiv, da er das chemische Gleichgewicht stört und die Futterqualität mindert.

Die wichtigsten negativen Effekte sind:

  • Festlegung von Spurenelementen:Wichtige Nährstoffe wie Mangan, Bor, Kupfer und Zink werden im Boden fixiert und sind für die Gräser nicht mehr verfügbar. Dies führt zu Mangelerscheinungen bei den Pflanzen und später beim Tier.
  • Phosphatfixierung:Bei sehr hohen pH-Werten verbindet sich Calcium mit Phosphat zu schwerlöslichem Calciumphosphat, was die Phosphorverfügbarkeit massiv einschränkt.
  • Humusabbau:Ein zu hoher pH-Wert kurbelt das Bodenleben so stark an, dass organisches Material zu schnell abgebaut wird. Das gefährdet die langfristige Bodenstruktur und Humusbilanz.
  • Verschiebung des Artengehalts:Kräuter und hochwertige Gräser können verdrängt werden, während pH-tolerante, oft minderwertige Arten zunehmen.
  • Nährstoffverluste:Bei der Ausbringung von Gülle auf überkalkten Flächen entstehen hohe Ammoniakverluste, da der Stickstoff gasförmig entweicht, statt im Boden gebunden zu werden.

Der optimale pH-Wert für das Grünland hängt maßgeblich von der Bodenart und dem Humusgehalt ab. Schwere Böden benötigen einen höheren pH-Wert als leichte Sandböden, um eine stabile Bodenstruktur zu gewährleisten.

Richtwerte für den optimalen pH-Wert (CaCl₂) 

Für Dauergrünland (bis ca. 15 % Humusgehalt) gelten folgende Ziel-pH-Werte nach den Empfehlungen der Landwirtschaftskammern und den „Richtlinien der Sachgerechten Düngung“:

Hier sind die Richtwerte für mineralische Böden (bei mittlerem Humusgehalt):

Bodenart Bodenartgruppe Humusgehalt < 15 %
Leicht Sand (S), lehmiger Sand (lS) 4,8 – 5,4
Mittel sandiger Lehm (sL), Lehm (L) 5,3 – 5,9
Schwer toniger Lehm (tL), Ton (T) 6,0 – 6,5

Praxis-Tipps für die Kalkung

  • Zeitpunkt: Eine Kalkung kann grundsätzlich ganzjährig erfolgen, da es anders als bei der Stickstoffausbringung keine gesetzlichen Verbotszeiträume gibt. Idealerweise ist das im Frühjahr oder nach dem letzten Schnitt/Weidegang bei guter Befahrbarkeit.
  • Häufigkeit: Alle 4-5 Jahre sollte eine Bodenuntersuchung durchgeführt werden, um den Bedarf (Erhaltungs- oder Aufkalkung) bestmöglich zu ermitteln.

In Österreich ist die Auswahl an Kalken vielfältig. Die gängigsten Formen für das Grünland sind:

  1. Kohlensaure Kalke (Calciumcarbonate)

Dieser besteht fast nur aus Calciumcarbonat (CaCO3) und ist die am häufigsten eingesetzte Form im Grünland, da sie mild wirkt und das Verätzungsrisiko für die Grasnarbe gering ist. Er enthält oft weniger als 1–2 % Magnesiumoxid (MgO) und wird eingesetzt, wenn der Magnesiumgehalt im Boden bereits optimal ist.

Mahlkalk ist trocken und fein vermahlener Kalkstein. Er wirkt nachhaltig, staubt aber bei der Ausbringung.

Feuchtkalk besitzt eine Eigenfeuchte von ca. 6–10 %. Er lässt sich staubfrei mit dem Breitstreuer ausbringen und ist ideal für die Eigenmechanisierung oder den Maschinenring.

Granulierter Kalk ist teurer in der Anschaffung, kann aber mit dem herkömmlichen Mineraldüngerstreuer ausgebracht werden.

  1. Kohlensaure Magnesiumkalke (Dolomitkalk)

Enthalten neben Calcium auch signifikante Mengen an Magnesium (meist als MgCO3).

Haben ihre Berechtigung auf Standorten mit Magnesiummangel (oft auf Urgesteinsverwitterungsböden im Mühl- und Waldviertel oder in Teilen der Steiermark). Magnesium ist essenziell für das Blattgrün und die Tiergesundheit (Vermeidung von Weidefalle). Es sollte aber bei der Bodenuntersuchung auf den Mg-Gehalt geachtet werden, da dadurch das Calcium-Magnesium-Verhältnis gestört wird. Das wiederum zu Verschlechterung der Bodenstruktur, zu Antagonismen bei der Nährstoffaufnahme (Kalium-Mangel, Calcium-Verdrängung) und in Folge zu Risiken für die Tiergesundheit führen kann.

  1. Branntkalke und Mischkalke (Calciumoxide)

Branntkalk (CaO): Ist aufgrund seiner ätzenden Wirkung in Österreich für das Grünland nicht empfohlen und verpönt! Für Biobetriebe ist der Einsatz verboten!

Mischkalk: Ist eine Mischung aus kohlensaurem Kalk und Branntkalk und in Österreich im Grünland ebenfalls nicht empfehlenswert und für Biobetriebe auch verboten!

Carbokalk: Ein Nebenprodukt aus der Zuckerproduktion (z. B. Agrana). Er enthält neben Kalk auch geringe Mengen an Stickstoff, Phosphor und organischer Substanz.

Konverterkalk: Ist ein Nebenprodukt der Stahlherstellung (z. B. voestalpine), das oft noch Spurenelemente wie Kieselsäure enthält. Er ist grundsätzlich erlaubt, muss aber untersucht sein und den Anforderungen der österreichischen Düngemittelverordnung entsprechen.

Für Biobetriebe ist er in Österreich nicht freigegeben.

  1. Algenkalk

Ist ein sehr hochwertiger, biologischer Kalk aus Meeresablagerungen. Er ist reich an Spurenelementen, aber aufgrund des hohen Preises eher für Spezialanwendungen oder kleinere Flächen im Bio-Landbau üblich.

 

ACHTUNG: Achten Sie beim Kauf auf das Austria Bio Garantie-Siegel (falls Sie Bio-Betrieb sind) und die Deklaration der Reaktivität – je feiner vermahlen, desto schneller wirkt der Kalk im Boden.

Der Vermahlungsgrad ist der entscheidende Faktor dafür, wie schnell der Kalk im Boden wirkt. Im Grünland, wo der Kalk nicht eingearbeitet wird, sondern auf der Oberfläche liegen bleibt, ist eine feine Vermahlung besonders günstig. Nur sehr feine Partikel gehen schnell genug in Lösung, um diesen Transport zu ermöglichen. Für eine schnelle Korrektur eines niedrigen pH-Werts sind feine Mahlkalke oder Feuchtkalke ideal.