Englisches Raygras / Deutsches Weidelgras (Lolium perenne)
Das Deutsche Weidelgras oder auch Englisches Raygras ist eine mehrjährige Grasart aus der Familie der Süßgräser (Poaceae). Ursprünglich in Europa und Teilen Asiens verbreitet, gehört es heute weltweit zu den wichtigsten Futtergräsern. In Mitteleuropa wird es vor allem als Gras zum Silieren als auch für Weiden kultiviert. Es zeichnet sich durch eine schnelle Etablierung, hohe Erträge und einen hervorragenden Futterwert aus.
Englisches Raygras liefert hochwertiges, leicht verdauliches Futter mit ausgezeichneter Schmackhaftigkeit durch den höheren Zuckergehalt. Der Rohproteinanteil liegt je nach Schnittzeitpunkt und Nährstoffversorgung im mittleren bis oberen Bereich. In Weiden kommen vor allem ausläuferbildende Sorten zum Einsatz. Diese sind stark narbenbildend und bei intensiver Nutzung trotzdem ausdauernd. In Silage- und Heubetrieben kombiniert es sich sehr gut mit anderen Gräsern und Leguminosen um den Proteingehalt und die Struktur zu verbessern. Besonders in Feldfuttermischungen werden auch horstbildende Sorten eingesetzt. Diese sind rascher ertragreich, aber nicht ganz so ausdauernd wie die Narbentypen.
Weidelgras ist somit eine der wichtigsten Grasarten für Milch- und Rinderbetriebe. Sein schneller Wiederantrieb nach Schnitten ermöglicht Mehrschnitt-Systeme mit stabilen Erträgen. In Mischungen erhöht es die Futteraufnahme, unterstützt eine gleichmäßige Verfügbarkeit über die Vegetationsperiode und trägt zur Futterqualität bei.
Anbau und Pflege
- Standort: Raygras bevorzugt gut strukturierte, nährstoffreiche Böden mit ausreichender Wasserversorgung. Staunässe sollte trotzdem vermieden werden. Ausgedehnte Trockenperioden und Hitzephasen schädigen Bestände mit hohem Raygras Anteil.
- Aussaat: Das Saatgut kann im Frühjahr oder im Spätsommer gesät werden. Wichtig sind mind. 10°C Bodentemperatur, eine oberflächliche Saat in ein rückverfestigtes Saatbeet, guter Bodenschluss und idealerweise anschließende Niederschläge.
- Schnitt- bzw. Nutzungsrhythmus: Es ist Vielschnitt geeignet, wobei bei erhöhter Schnittfrequenz (bis 6x jährlich möglich) auf ausreichende Nährstoffversorgung mit Stickstoff zu achten ist. Weideflächen sind ausdauernd ertragreicher mit ausreichender Ruhezeit zwischen den Weidegängen.
- Düngung: Der Nährstoffbedarf sollte durch Bodenuntersuchungen bestimmt werden. Stickstoff ist der Hauptnährstoff für Raygras, angepasst an Bestand, Mischkultur und Futterbedarf. Leguminosen in der Mischkultur können Düngungsbedarf reduzieren z.B. in Kleegräsern.
- Krankheiten und Schädlinge: Weidelgras ist eher anfällig für Blattkrankheiten wie Roste bei feuchter Witterung, hoher Schnittfrequenz und Nährstoffunterversorgung. Hier ist besonders auf die Sortenwahl zu achten, da es deutliche Unterschiede der angebotenen Sorten gibt. Bei der Auswahl kann die Österreichische Sortenliste der AGES helfen.
- Vermehrung: Vor allem die hohe Schnitthäufigkeit verhindert eine Regeneration durch Samenbildung. Deshalb sollten intensiv genutzte Bestände, sowohl Wiese wie auch Weide, regelmäßig begutachtet und bei Bedarf nachgesät werden.
Reine Raygrasbestände sind nicht empfehlenswert, da es bei Vielschnitt strukturarm ist und bei zu erwartenden Trockenperioden während der Vegetation auch ganze Schnitte ausfallen können. Mischbestände mit anderen Grasarten und Leguminosen sind widerstandsfähiger und ermöglichen auch bei ungünstigen Witterungsbedingungen stabile Erträge.
Am europäischen Markt werden weit über 1000 (!!!) Sorten von Deutschem Weidelgras / Englischem Raygras angeboten. Bei dieser Kultur ist eine Beschäftigung mit der Sorte oder eine professionelle Beratung besonders empfehlenswert.
