1Der Wasserbedarf von Grünland und sein Management
Dauergrünland hat einen sehr hohen Wasserbedarf und gehört zu den wasserintensivsten landwirtschaftlichen Kulturen überhaupt. Für das tägliche Wachstum benötigt Grünland im Schnitt rund 2,5 Liter Wasser pro Quadratmeter.
Der genaue Bedarf lässt sich über verschiedene Messgrößen definieren:
Bedarf nach Biomasse-Produktion
Pro Kilo Trockenmasse (TM): Pflanzen veratmen je nach Artenzusammensetzung rund 600 bis 800 Liter Wasser, um ein einziges Kilogramm Trockenmasse zu bilden.
- Beispiel: Bei einem typischen, ertragsbetonten Jahresertrag von 9.000 kg TM pro Hektar entspricht dies einem reinen Pflanzenwasserbedarf von 5,4 bis 7,2 Millionen Litern (5.400 bis 7.200 m³) Wasser pro Hektar und Jahr.
Bedarf nach Nutzungsintensität
Je öfter eine Wiese gemäht wird, desto mehr Biomasse produziert sie und desto höher ist der Mindestbedarf an Jahresniederschlag (auf grundwasserfernen Böden):
- Vierschnittwiesen: Benötigen mindestens 800 mm
- Sechsschnittwiesen: Benötigen mindestens 1000 mm Jahresniederschlag.
Eine gleichmäßige Verteilung der Niederschläge über das gesamte Jahr ist dabei entscheidend für stabile Erträge. Bei sommerlicher Hitze über 30 °C schützt sich das Grünland vor akutem Wassermangel, indem es seine Spaltöffnungen schließt, wodurch allerdings auch das Wachstum stoppt.
Wassersparendes Grünlandmanagement funktioniert primär über die Regulierung der unproduktiven Verdunstung (Evaporation) und den Erhalt einer dichten Grasnarbe. Da jede Erhöhung der Temperatur um 1 °C die Verdunstungsrate um ca. 7 % steigert, müssen Bewirtschaftungsmaßnahmen den Boden kühl und beschattet halten.
Die wichtigsten Säulen eines wassereffizienten Managements gliedern sich in vier Bereiche:
- Schnitthöhe anpassen (Der wichtigste Hebel)
- Höher mähen: Die Schnitthöhe sollte bei Trockenheit auf mindestens 7 bis 9 cm angehoben werden (statt der oft üblichen 5 cm).
- Bodenschutz: Der verbleibende längere Stoppel beschattet die Bodenoberfläche. Das senkt die Bodentemperatur und reduziert die unproduktive Verdunstung drastisch.
- Wurzelschutz: Pflanzen stoßen bei einem zu tiefen Schnitt einen Teil ihrer Wurzeln ab. Höhere Stoppeln belassen mehr Restblattmasse, schonen das Wurzelwerk und lassen das Gras nach dem Regen schneller wieder austreiben.
- Perfektes Timing bei Ernte und Weide
- Frühzeitiger Schnitt: Der erste Aufwuchs sollte rechtzeitig (beim Ähren- oder Rispenschieben des Leitgrases) geerntet werden. Wartet man zu lange, trocknet der Bestand auf dem Halm, verbraucht wertvolles Bodenwasser und blockiert das gleichmäßige Nachwachsen.
- Koppelweide statt Standweide: Auf Weideflächen ist die Rotations- oder Koppelweide ideal. Das Vieh wechselt schnell die Flächen, die Grasnarbe wird nicht kahlgefressen, behält eine schützende Mindesthöhe (10 bis 20 cm) und bildet tiefere Wurzeln aus.
- Scharfe Messer nutzen: Scharfe Mähwerkzeuge schneiden sauber. Stumpfe Messer reißen die Gräser ab. Die daraus resultierenden großen Wunden heilen langsamer, was die Pflanze unnötig Energie und Wasser kostet.
- Nährstoff- und Humusaufbau
- Humusgehalt steigern: Ein humusreicher Boden wirkt wie ein Schwamm. Er kann Niederschläge extrem gut speichern und über Dürreperioden retten.
- Bodennahe Gülleausbringung: Gut versorgte Pflanzen gehen deutlich wassersparender mit ihren Ressourcen um. In trockenen Phasen sollte Gülle bodennah (z.B. mit Schleppschuh) und zügig ausgebracht werden, um Verätzungen und Stickstoffverluste (Ammoniak) zu verhindern. Bei akuter Hitze und Dürre wird die Düngung komplett eingestellt, da die Pflanzen sie mangels Wasser ohnehin nicht aufnehmen können.
- Regulierung der Pflanzenbestände
- Gemeine Rispe bekämpfen: Dieser flachwurzende Ungras-Typ bildet dichte Filze an der Oberfläche. Er fängt selbst kleine Regenmengen ab, bevor sie tiefere, ertragsrelevante Bodenschichten erreichen. Trockene Phasen eignen sich ideal, um die Gemeine Rispe intensiv herauszustriegeln. Allerdings müssen sofort im Anschluss mit einer Nachsaat die entstandenen Lücken wieder geschlossen werden. Deshalb: Sanierung der Gemeinen Rispe im Spätsommer machen!!!
- Nachsaat vor dem Regen: Direkt nach dem Striegeln und unmittelbar vor angekündigten Regenfällen sichert eine Nachsaat im Spätsommer mit trockenheitsresistenten Tiefwurzlern (wie Rotklee, Wiesenlieschgras oder Knaulgras) eine lückenlose, schattenspendende Narbe.
Für eine erfolgreiche Nachsaat im Dauergrünland entscheidet die Auswahl der Technik basierend auf dem Zustand der Grasnarbe. Das übergeordnete Ziel jeder Technik ist es, den Samen direkten Erdschluss zu verschaffen und ihnen Licht sowie Platz zum Wachsen zu sichern.
Je nach Verfilzung und Lückenstruktur des Bodens haben sich zwei technische Hauptsysteme etabliert:
- Die Striegel-Sägerät-Kombination (Für verfilzte Bestände & Breitverteilung)
Diese Systeme kombinieren die Bodenbearbeitung direkt mit der Aussaat.
- Funktionsweise: Aggressive, meist 10 bis 12 mm starke Federzinken reißen Moos, totes Material und flachwurzende Ungräser (wie die Gemeine Rispe) radikal heraus. Ein pneumatisches Sägerät bläst das Saatgut über Prallbleche breitflächig in die neu geschaffenen Lücken.
- Vorteil: Schafft flächig Platz und Licht. Die Breitdrille verhindert, dass die neuen Pflanzen in zu großen Reihenabständen wachsen.
- Wichtig: Das herausgestriegelte Material muss bei großen Mengen unbedingt von der Fläche abtransportiert werden, da es sonst die Keimlinge erstickt.
- Die Schlitzdrilltechnik (Für harte Böden & gezielte Tiefenablage)
Spezialmaschinen mit Scheibenscharen schneiden die Grasnarbe mechanisch auf.
- Funktionsweise: Scharfkantige Doppelscheiben schneiden einen schmalen V-Schlitz in den Boden. Der Samen fällt direkt in diesen Schlitz und wird sofort von einer nachlaufenden Druckwalze fest verschlossen.
- Vorteil: Perfekt bei trockenem Boden oder harten Bedingungen, da der Samen tiefenpräzise abgelegt wird und optimalen Erdkontakt erhält. Die Altnarbe wird kaum beschädigt.
- Nachteil: Ist die Altnarbe extrem verfilzt, kann der Filz den Schlitz schnell wieder zusammendrücken und den Keimling unterdrücken. Zudem entstehen oft Reihenabstände von bis zu 12,5 cm, was zu Lücken zwischen den Reihen führen kann.
Technische Vorteile für den Einsatzerfolg
Unabhängig vom gewählten System entscheiden drei technische Komponenten über den Erfolg:
- Pneumatisches Dosiersystem: Im Vergleich zu alten mechanischen Streuern verteilen pneumatische Gebläse selbst windanfälliges, leichtes Gras-Saatgut absolut gleichmäßig über die gesamte Arbeitsbreite.
- Schwere Profilwalzen (am besten Prismenwalzen): Nach dem Striegeln oder Schlitzen ist das Anwalzen Pflicht. Es stellt den Bodenschluss wieder her, sorgt dafür, dass Kapillarwasser den Samen erreicht, und regt die Bestockung an.
- Exakte Tiefenführung: Grassamen sind Lichtkeimer und dürfen maximal 0,5 cm tief abgelegt werden. Mit einer präzise hydraulischen oder mechanischen Tiefensteuerung der Maschine muss verhindert werden, dass das Saatgut zu tief vergraben wird. Am besten ist die breite, oberflächliche Ablage!
