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Nitrifikation

von Gabriele Hirsch | März 20, 2026 | LogIn Bereich

Die Nitrifikation – oder wie wird organischer Dünger pflanzenverfügbar

 

Der Prozess der Umwandlung von Ammoniumstickstoff in Nitrat heißt Nitrifikation. Dabei wandeln spezialisierte Bodenbakterien Ammonium (NH4+) in zwei Schritten in Nitrat (NO3–) um. Das Ganze passiert unter Sauerstoffzufuhr (aerob).

Pflanzen können zwar beide Formen aufnehmen, aber Nitrat ist im Bodenwasser sehr mobil. Während Ammonium an Bodenteilchen haftet, kann Nitrat leicht zu den Wurzeln fließen – aber bei starkem Regen auch ins Grundwasser auswaschen. Zudem macht dieser Prozess den Boden auf Dauer etwas saurer, da Wasserstoffionen (H+) freigesetzt werden.

  • Ammonium wird zu Nitrit: Bakterien wie Nitrosomonas oxidieren Ammonium zu Nitrit (NO2–). Nitrit ist für Pflanzen giftig, wird aber im gesunden Boden schnell weiterverarbeitet.
  • Nitrit zu Nitrat: Bakterien wie Nitrobacter wandeln das Nitrit sofort in Nitrat um

Die Umwandlung von Nitrit zu Nitrat durch Nitrobacter gerät ins Stocken, wenn das Milieu für diese Bakterien ungünstig wird. Da der erste Schritt (Ammonium zu Nitrit) oft robuster ist, kann es bei einer Hemmung des zweiten Schritts zu einer gefährlichen Nitritanreicherung kommen.

 

Das passiert vor allem unter diesen Umständen:

  • Zu hoher pH-Wert (Ammoniak-Toxizität): In sehr alkalischen Böden oder nach starker Düngung mit Gülle/Harnstoff entsteht freies Ammoniak (NH3). Dieses wirkt spezifisch giftig auf Nitrobacter, während die Ammonium-Oxidierer noch weiterarbeiten.
  • Sauerstoffmangel: Nitrobacter reagieren empfindlicher auf Sauerstoffentzug (z. B. durch plötzliche Staunässe) als die Bakterien des ersten Schritts.
  • Niedrige Temperaturen: Bei Kälte stellt Nitrobacter die Arbeit schneller ein als Nitrosomonas, was besonders im zeitigen Frühjahr zu Nitritspitzen führen kann.
  • Hohe Salzkonzentrationen: Ein zu hoher Salzgehalt im Boden (z. B. durch Überdüngung) hemmt die Nitrit-Oxidierer stärker.
  • Spezifische Hemmstoffe: Chemische Nitrifikationsinhibitoren (in manchen Düngern enthalten) sind zwar meist darauf ausgelegt, schon den ersten Schritt zu bremsen, können aber je nach Wirkstoff und Dosierung das gesamte Gleichgewicht verschieben.

Damit die Bakterien auf Hochtouren arbeiten, müssen die Bedingungen im Boden stimmen. Die Nitrifikation ist ein recht empfindlicher Prozess, der vor allem folgende Faktoren braucht:

 

  • Sauerstoff: Da es ein Oxidationsprozess ist, muss der Boden gut durchlüftet sein. In staunassen oder stark verdichteten Böden kommt der Prozess zum Erliegen.
  • Temperatur: Ideal sind 20 bis 30 °C. Unter 5 °C arbeiten die Bakterien kaum noch, und über 40 °C gerät der Prozess ebenfalls ins Stocken.
  • Feuchtigkeit: Der Boden sollte feucht, aber nicht klatschnass sein (etwa 50–60 % der maximalen Wasserkapazität).
  • pH-Wert: Die Bakterien lieben es neutral bis leicht alkalisch (pH 6,5 bis 8,0). In sauren Böden (pH unter 5) findet fast keine Nitrifikation mehr statt.
  • Pufferkapazität: Da bei der Umwandlung Säure entsteht, hilft kalkhaltiger Boden, den pH-Wert stabil zu halten und die Bakterien aktiv zu lassen.

Die Bedeutung von freiem Kalk für die Nitrifikation

Freier Kalk (Calciumcarbonat, CaCO3) wirkt bei der Nitrifikation vor allem als Säurepuffer und Strukturverbesserer. Ohne ausreichenden Kalkvorrat würde der Boden durch den Prozess selbst schnell zu sauer werden, was die beteiligten Bakterien lähmt.

Bei der Umwandlung von Ammonium zu Nitrat werden pro Stickstoffatom zwei H+-Ionen frei. Freier Kalk reagiert mit dieser Säure und wandelt sie in neutrales Wasser und CO2 um. Dies verhindert ein Absinken des pH-Werts in den sauren Bereich, in dem die Nitrifikation (besonders durch Nitrobacter) unter einem pH-Wert von 6 stark eingeschränkt wird.

In der Praxis führt eine gute Kalkversorgung durch Erhaltungskalkung nachweislich zu einer schnelleren Nitratbildung, da die Mikroorganismen in einem optimalen „Wohlfühlbereich“ arbeiten können.

Im Grünland unterscheidet sich die Strategie etwas vom Ackerbau, da man hier den Boden nicht einfach durch Pflügen belüften kann. Die Maßnahmen zielen daher stärker auf die Erhaltung der Bodenstruktur und die Vermeidung von Verdichtung ab.

 

Folgende Maßnahmen sind für ein „Nitrifikationsmanagement“ essentiell:

 

  • Regelmäßige Erhaltungskalkung: Da Grünlandböden durch die Nitrifikation und Wurzelausscheidungen zur Versauerung neigen, ist Kalk entscheidend. Ein stabiler pH-Wert (je nach Bodenart 5,5 bis 6,5) hält die Bakterien aktiv und sorgt zudem für eine bessere Futterqualität (z.B.: durch einen höheren Kleeanteil).
  • Vermeidung von Narbenschäden und Verdichtung: Staunässe ist der größte Feind der Nitrifikation. Durch den Verzicht auf das Befahren oder Beweiden bei extremer Nässe bleibt das Porensystem offen, was den lebensnotwendigen Gasaustausch (Sauerstoff rein, CO2 raus) für die Bakterien sichert.
  • Gezielte Grünlandbelüftung: Der Einsatz eines Grünlandstriegels bricht oberflächliche Verkrustungen und Filz auf. Das bringt frischen Sauerstoff direkt an die Grasnarbe und kurbelt die mikrobielle Umwandlung an. ACHTUNG: Die Grasnarbe darf durch zu häufiges Striegeln nicht geschädigt werden und nur bei Bedarf angewandt werden!
  • Angepasste Gülle-Applikation: Große Mengen Gülle auf einmal können die Bodenporen verkleben und zu Sauerstoffmangel führen. Besser sind kleine Gaben (z.B. mit Schleppschuh-Technik), die den Boden nicht „ersticken“ und den Bakterien Zeit geben, das Ammonium schrittweise abzubauen. Besonders die Separierung oder Verdünnung von Gülle ist hier besonders effizient.
  • Förderung des Bodenlebens (Humusmanagement): Eine ausgewogene Düngung, die auch das Bodenleben ernährt und die Regenwürmer schont, ist indirekt die beste Maßnahme. Regenwürmer schaffen viele vertikale Röhren („Belüftungskanäle“), durch die Sauerstoff tief in den Wurzelraum gelangt, wo die Nitrifikanten sitzen.

Kontakt
Gabriele Hirsch, MSc
+43 676 3838968
gabrielehirsch@gmx.at
3354 Wolfsbach

Impressum // Datenschutz
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